Nvidia vor dem 320-Milliarden-Test

person JayWave
calendar_today 19. November 2025
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Nvidia vor dem 320-Milliarden-Test

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Warum diese Earnings mehr sind als nur ein weiterer Quartalsbericht


Wenn der Optionsmarkt recht behält, entscheidet sich in einer Nacht, ob bei Nvidia rund 320 Milliarden Dollar an Börsenwert geschaffen oder vernichtet werden. Optionen preisen derzeit eine Bewegung von etwa 7 Prozent in beide Richtungen ein, ausgehend von einer Bewertung um rund 4,6 Billionen Dollar. Das wäre der grösste Post-Earnings-Move der Firmengeschichte.


Nvidia ist damit nicht nur eine Aktie. Es ist der Hebel auf den gesamten AI Trade, ein Schwergewicht mit rund 8 Prozent Gewicht im S&P 500 und über 10 Prozent im Nasdaq 100. Was hier passiert, entscheidet mit über die Stimmung in einem Aktienuniversum im Wert von bis zu zehn Billionen Dollar.




Vom Gaming-Chip zum AI Infrastruktur Konzern


Vor ein paar Jahren war Nvidia für die meisten nur die Marke auf der Grafikkarte im Gaming PC. Heute bezeichnet sich das Unternehmen selbst als AI Infrastruktur Anbieter. Die Zahlen dahinter sind brutal:


Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 erzielte Nvidia einen Rekordumsatz von rund 39,3 Milliarden Dollar, plus knapp 80 Prozent zum Vorjahr. Davon kamen über 35 Milliarden Dollar aus dem Data Center Geschäft.


Im gesamten Geschäftsjahr 2025 lagen die Erlöse bei über 130 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Data Center Umsatz stieg auf rund 115 Milliarden Dollar. Die Botschaft ist klar: Das Wachstum kommt fast komplett aus dem AI Segment, nicht mehr aus klassischem Gaming.




Aktuelle Lage: Wachstumsmaschine mit hohen Erwartungen


In den jüngsten Quartalszahlen meldete Nvidia erneut extremes Wachstum:


* Konzernumsatz im letzten berichteten Quartal: knapp 47 Milliarden Dollar

* Davon rund 41 Milliarden Dollar aus dem Data Center Bereich

* Bruttomarge: gut über 70 Prozent

* Nettogewinn: deutlich über 20 Milliarden Dollar


Für das laufende Quartal hat Nvidia selbst einen Umsatz im Bereich von etwa 54 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, mit weiter dominierendem Data Center Anteil und sehr hohen Margen. Analysten erwarten ähnliche Werte oder leicht darüber.


Damit ist klar:

Das Unternehmen liefert nach wie vor Wachstumsraten, von denen andere Blue Chips nur träumen. Aber die Latte liegt inzwischen so hoch, dass selbst sehr gute Zahlen nicht automatisch für Kursfeuerwerke reichen.




Bilanzcheck: Kaum Schulden, viel Cash


Fundamental steht Nvidia stabil:


* Hoher Bestand an Cash und kurzfristigen Anlagen

* Im Verhältnis dazu nur geringe Finanzschulden

* Ein deutlicher Eigenkapitalpuffer


Das Risiko liegt also weniger in einer überzogenen Verschuldung, sondern im Zyklus. Die eigentliche Frage ist: Was passiert, wenn die Kunden ihre AI Investitionen verlangsamen oder vorsichtiger planen.




Was ist auf Sicht der Aktie wirklich spannend


1. Der AI Capex Zyklus


Die letzten Quartale waren von massiven Ausgaben der Hyperscaler geprägt. Cloud Anbieter und grosse Tech Konzerne haben Rechenzentren im Rekordtempo ausgebaut, um AI Workloads zu stemmen.


Spannende Frage:

Sind wir noch im Beschleunigungsmodus eines mehrjährigen Superzyklus,

oder gehen wir in eine Phase, in der vorhandene Kapazität erst einmal genutzt und monetarisiert werden muss?


2. Wachstum gegen Bewertung


Nach einem starken Anstieg im laufenden Jahr und einer anschliessenden Korrektur ist Nvidia immer noch eines der teuersten Schwergewichte der Welt. Die Bewertung unterstellt, dass


* das Umsatzwachstum hoch bleibt

* die Margen kaum nachgeben

* der AI Boom über Jahre trägt


Je weiter der Kurs den Fundamentaldaten vorausläuft, desto empfindlicher reagiert die Aktie auf kleinste Enttäuschungen.


3. Klumpenrisiko in Indizes und Depots


Weil Nvidia im S&P 500 und Nasdaq 100 so schwer gewichtet ist, haben viele Anleger ein enormes Nvidia Exposure, ohne die Aktie direkt zu halten. Wer breite US Indizes oder AI ETFs im Depot hat, hängt automatisch an diesem Titel.


Spannend ist also nicht nur die Frage, ob man Nvidia einzeln kauft, sondern auch, wie stark das eigene Portfolio vom AI Leader abhängig ist.




Drei Szenarien nach den Zahlen


Bull Case: Nvidia sprengt die Erwartungen


* Umsatz klar über der eigenen Guidance

* Data Center Geschäft noch stärker als gedacht

* Margen stabil oder leicht höher

* Ausblick signalisiert, dass der AI Capex Zyklus mindestens ein weiteres Jahr dynamisch läuft


Mögliche Folge:

Die Aktie legt grob 7 bis 15 Prozent zu, AI ETFs und Tech Indizes ziehen mit. Der Markt spielt weiter das Narrativ vom langfristigen AI Superzyklus.


Base Case: Gut, aber bereits eingepreist


* Zahlen liegen ungefähr auf Markterwartung

* Guidance ist solide, aber ohne grosse Überraschung

* Erste Signale, dass das Wachstum hoch bleibt, sich aber nicht mehr beschleunigt


Mögliche Folge:

Seitwärtslauf oder ein klassisches Sell the News. Langfristige Anleger bleiben drin, kurzfristige Trader nehmen Gewinne mit.


Bear Case: Erste Risse in der AI Story


* Umsatz am unteren Rand der Erwartungen oder darunter

* Hinweise auf vorsichtigere Bestellungen der grossen Kunden

* Margen unter Druck oder verhaltener Ausblick


Mögliche Folge:

Eine Korrektur im Bereich von 10 bis 20 Prozent ist in so einem Umfeld realistisch. Nicht nur Nvidia würde leiden, sondern der gesamte AI und High Growth Sektor. Indizes wie der Nasdaq 100 hätten spürbar Gegenwind.




Was heisst das für Anleger und Trader


* Fundamental bleibt Nvidia ein Ausnahmeunternehmen mit dominanter Marktstellung, hohen Margen und stabiler Bilanz.

* Die Bewertung macht die Aktie aber extrem sensibel, schon kleine Abweichungen von der Idealstory können grosse Kursausschläge auslösen.

* Über Indizes und ETFs ist Nvidia zu einem systemischen Faktor geworden. Selbst wer die Aktie nicht direkt hält, spürt die Ergebnisschwankungen im Portfolio.




Fazit


Nvidia steht vor einem Earnings Event, das den Marktwert um hunderte Milliarden Dollar verschieben kann. Die vergangenen Abschlüsse zeigen eine Wachstumsmaschine, die den AI Boom aktuell dominiert. Gleichzeitig sind die Erwartungen so hoch, dass die Aktie mehr vom Narrativ lebt als von den nackten Zahlen.


Spannend ist deshalb weniger, ob der Gewinn schlägt oder verfehlt. Entscheidend ist, ob das Management ein Bild zeichnet, in dem der AI Investitionszyklus noch mehrere Jahre dynamisch läuft oder ob sich erste Anzeichen von Normalisierung zeigen.


Genau hier entscheidet sich, ob Nvidia für Anleger weiterhin das Symbol eines nachhaltigen AI Superzyklus bleibt oder ob aus dem Superstar langsam ein Klumpenrisiko im Depot wird.